18. August 2026

Ueli Maurer im Sprachbad ertrunken

Es sind nun doch schon ein paar Jährchen vergangen, seit die Schweizerische Volkspartei (SVP) ihr Sünneli auch über den Schweizer Schulen erstrahlen liess und unter sachkundiger Führung von Silvia Blocher und Ulrich Schlüer die Bildungspolitik als Brandbeschleuniger für ihre unsäglichen Wahl- und Abstimmungskampagnen missbrauchte.

Der Untergang der christlich-abendländischen Kultur drohte. Sprachzerfall, die Zerstörung schweizerischer Werte, antiautoritäre Erziehung, sozialistische Indroktrination in den Klassenzimmern. Sexualisierung bereits im Kindergarten. An den Plakatsäulen hängten Mitleid erregende Bilder von verzweifelt weinenden Kindern. Bei der Jungen SVP konnte man „linke“ Lehrer verpfeifen. Anonym und online. Am Pranger stand die weitgehend unbestrittene, unter verschiedenen Labels segelnde, im Kern aber sozialdemokratische Bildungspolitik der 1970/1980er Jahre.

Offenbar sind die Verwüstungen dieser Politik auch an SVP-Politikern nicht spurlos vorbei gegangen. Jedenfalls ist mir zu keiner Zeit aufgefallen, dass Politiker dieser Partei über aussergewöhnliche, den Durchschnitt überragende sprachliche Ausdrucksfähigkeiten verfügen. Weder mündlich noch schriftlich. Einige von ihnen, etwa Ueli Maurer (ZH) oder Albert Rösti (BE) haben vermutlich sogar bodenständige Schulen besucht, an denen der vielkritisierte linke Zeitgeist in Höchstgeschwindigkeit vorbei gerauscht ist.

Nun muss man aber gerecht sein. Nicht jeder Widerstand aus SVP-Kreisen ist Unsinn. So sind etwa die Aktivitäten gegen konfuse, untaugliche und ohne Wirksamkeitsstudie übereilt eingeführte Lehrmittel – New World im Englisch, Mille feuilles im Französisch – gut begründet und können nicht einfach als ideologischer Kreuzzug abgetan werden.

Allerdings sieht man am Beispiel unseres  geschätzten Bundespräsidenten, dass mangelhafte Fremdsprachenkenntnisse unabhängig von Schulsystem und Lehrmittel auftreten können. Ich vermute mal, dass Ueli Maurer sein Englisch nicht im „Sprachbad“ von New World aufgesogen und auch nicht „spielerisch“ gelernt hat.

Trotzdem sind ihm bei seinem Besuch im Weissen Haus einige peinliche Fehler unterlaufen. Ins Gästebuch des Hausherrn schrieb er „Withe House“ statt White House, „togethe“ statt together und „Präsident Switzerland“ statt Swiss President. Diese Leistung würde in der Primarschule meiner Tochter mit dem Prädikat „Lernziel nicht erfüllt“ bewertet. In der traditionellen Propagandasprache der SVP wäre wohl von Schul- und Reformversagen die Rede.

Den Donald Trump wird das alles nicht kratzen. Wer nicht einmal die eigene Flagge richtig ausmalen kann, steckt solche Peanuts locker weg.

Roland Stark

Diese Glosse erschien in der BAZ, 29.5.19

 

 

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1 Kommentar

  1. Meine Sprache ist für mich die Brücke zu meine Mitmenschen. Ich kann sie nutzen, um die Brücke abzubrechen und Menschen im mit den nötigen Ingredienzien angereicherten “Sprachbad” ertrinken zu lassen. Ich kann sie aber auch nutzen, um über scheinbar unüberwindliche Gräben eine Brücke zu bauen. Dabei durchaus Uneinigkeiten ansprechend, witzig, zum Schmunzeln anregend, aber mit der nötigen Würde, die allen Menschen zugestanden werden muss. Leider gehört das “Sprachbad” von Roland Stark nicht dazu.

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