Buben ticken auch in der Schule anders

Die NZZ am Sonntag wartete mit einer grösseren Reportage über die Problematik der Knaben im heutigen Schulsystem auf. Condorcet-Autor Hanspeter Amstutz sieht diese Probleme auch.

Hanspeter Amstutz
Bild: Fabü

Bubenförderung ist ein Thema, das nicht so recht zum Zeitgeist passt. In den Schulen stellen Lehrerinnen und Lehrer fest, dass Buben weit mehr an spannenden Realienthemen als an der zweiten Fremdsprache interessiert sind. Wird das Leben in Fächern wie experimenteller Physik oder moderner Geschichte ins Schulzimmer geholt, sind Buben oft wie verwandelt. Wo es etwas zu entdecken gibt, kommt ihre kreative Seite zum Zug. Wenn sie einmal eine Sache fasziniert, bekommt bei ihnen auch die deutsche Sprache die nötige Bedeutung. Leider hat die Schule in den letzten Jahren viel mehr in Fächer investiert, die bei den meisten Buben die Herzen kaum höher schlagen lassen.

Doch nicht nur die Inhalte, auch ein stärker auf Kommunikation ausgerichteter Unterrichtsstil kommt den mehr sachorientierten Buben oft in die Quere. Entwicklungsmässig hinken die meisten Sechstklässler im kommunikativen Bereich den gleichaltrigen Mädchen ziemlich hintennach. Erfahrene Lehrpersonen geben da Gegensteuer, indem sie Situationen im Unterricht schaffen, wo Mut und konstruktives Denken erforderlich sind. Buben lieben es, unter fairer Anleitung herausgefordert zu werden. Gelingt dies, setzen sie ihre Energien am richtigen Ort ein und müssen nicht in der Freizeit ihr ganzes Potenzial kompensieren.

Sicher kein Schritt zurück

Es ist sehr zu begrüssen, dass die Mädchen nach jahrzehntelanger schulischer Benachteiligung  heute besser gefördert werden. Unsere Schule wird jedoch keinen Schritt zurück machen, wenn sie auch den etwas anders tickenden Buben stärker gerecht werden will.

Hanspeter Amstutz

 

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