8. August 2020

Mich ärgert diese ständige Panikmache

Luana Affolter hat uns ihren Tagebucheintrag zur Vefügung gestellt. Sie sieht auch positive Aspekte des Lockdowns, wünscht sich aber die Schule so schnell wie möglich zurück. Und sie ärgert sich über die Berichterstattung. Die Publikation erfolgt im Einverständnis der Eltern.

Luana, 14 Jahre alt, 8. Klasse, OSZ-Orpund

Liebes Tagebuch, es ist jetzt Freitag. Ein weiterer Tag, an dem ich gegen die langsam einkehrende Routine ankämpfen muss. Ich bin sehr froh, dass ich überhaupt noch an die frische Luft  gehen kann, denn meine Mutter und ich sind in dieser speziellen Lage bei Ihrem Lebenspartner zu Hause. Zum Glück wohnt er gleich am Waldrand und eher abgeschieden von anderen Menschen. Trotz der schönen Umgebung wird es auch hier manchmal langweilig. Fast jeder Tag bei mir sieht ungefähr so aus:

Monotoner Alltag

Um 8:20 Uhr aufstehen, bis um 12:00 Uhr Fernschulung, danach gibt es Mittagessen. Am Nachmittag gehen wir mit dem Hund spazieren, was mir die Gelegenheit gibt, ein paar Fotos für den Klassenwettbewerb zu machen und am Abend lese ich oder telefoniere mit Freunden. Es kommt mir vor, als ginge dies schon Monate so, dabei vergingen nicht einmal zwei Wochen!

Ich bemerke, dass ich unser Land, die Schweiz viel mehr schätze.

Smog: Kinder in China sehen wieder einmal den blauen Himmel.

Aber ich sehe auch positive Dinge in dieser Lage. Aus meiner Sicht ist es gut, dass sich die Natur ein wenig erholen kann, da weniger Leute mit dem Auto fahren und arbeiten. Kinder in China sahen das erste Mal seit langem den blauen Himmel, da der Smog stark reduziert wurde! Könntest du dir das vorstellen, das erste Mal seit langer Zeit den blauen Himmel zu sehen? Ich kann es jedenfalls nicht.

Eine Abschlussfeier gehört doch einfach dazu!

Ich bemerke, dass ich unser Land, die Schweiz viel mehr schätze. Es gibt also in fast jeder Situation positive Dinge, an denen ich mich in solch einer Lage gerne mal festhalte. Mich beschäftigt aber die Frage, ob wir überhaupt einmal Unterricht in der Schule  haben bis zum Ende des Schuljahres. Ich würde das extremst schade finden. Natürlich kann ich mich zu Hause auf auf das Gymnasium im nächsten Jahr vorbereiten. Ich würde dies aber viel lieber mit meinen Kameradinnen und meinen Lehrern machen. Lernen geht besser gemeinsam.  Ausserdem fände ich es bedauerlich, wenn wir kein Abschlussfest erleben könnten. Meiner Meinung nach gehört so etwas einfach dazu.

BLICK
Die ständige Panikmache nervt.

Genug von der ständigen Panikmache

Was mich zu tiefst ärgert, ist diese Angstmacherei in den Medien. Es ist natürlich ausserordentlich wichtig, genau über diese Lage Bescheid zu wissen, jedoch übertreiben es manche wirklich. Siehst du, liebes Tagebuch, es ist im Moment nicht einfach. Ich muss es wohl wie alle anderen auch einfach so hinnehmen, wie es kommt.

 

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Der Condorcet-Blog veröffentlicht in unregelmässigen Abständen Beiträge von Schülerinnen und Schülern, welche über ihre Erfahrungen mit der Fernschulung berichten. Ruth Wiederkehr (Schulleiterin des OSZ-Mett-Bözingen) und Alain Pichard, Lehrer am OSZ-Orpund sammelten einige bemerkenswerte Aussagen aus den Tagebucheinträgen ihrer Schülerinnen und Schüler. Alle Veröffentlichungen sind von den Jugendlichen und ihren Eltern autorisiert.

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