22. Oktober 2020

Das Bild und die Geschichte dahinter: Die Vogelexkursion (1980 im Längholz, Biel-Mett)

In der Rubrik “Das Bild und die Geschichte dahinter” schickt uns diesmal Condorcet-Autor Alain Pichard sein Bild und schildert uns eine rührende Zufallbegegnung.

Condorcet-Autor Alain Pichard auf einer Vogelexkursion vor 40 Jahren
Alain Pichard, Sekundarlehrer in Orpund

“Um 05.38 hörten wir die Singdrossel. Ich finde den Gesang der Singdrossel schöner als den der Nachtigall.”

Schon früh machte ich mit meinen Schülern Exkursionen. Ich war drei Jahre zuvor patentiert worden. Damals hiess das Fach noch Naturkunde. Meine Schüler mussten 15 Vogelstimmen und 25 Vögel ihrer Umgebung kennen. Das ging nur mit dem Kassettengerät und war mühsam. Abschluss dieser Lerneinheit war die Morgenexkursion. Wir trafen uns um 04.00 Uhr vor dem Wald in der Nähe unseres Quartiers. Es gab kein Handy. Im April 1980 nahm ich meinen Freund und Lehrerkollegen Daniel Rawyler mit, der dieses Bild aufnahm. Das Mädchen rechts im Bild mit dem Feldstecher hiess Carole.

Sie schrieb im Exkursionsbericht: “Um 05.38 hörten wir die Singdrossel. Ich finde den Gesang der Singdrossel schöner als den der Nachtigall.”

Als Mitglied des Vogelschutzvereins besuchte ich diesen Wald regelmässig. 15 Jahre später begegnete ich Carole auf einem meiner vielen abendlichen Streifzüge wieder. Sie war mit ihren beiden Kindern unterwegs. Ihr 7-jähriger Sohn hatte einen kleinen Vogelführer in der Hand. Carole hatte sich den Feldstecher umgehängt.

“Das habe ich von dir gelernt!”, lachte sie.

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1 Kommentar

  1. Unsere Vogelexkursion (1978 im Längholz, Biel-Mett)

    Manchmal hat man für eine erfolgreiche Vogelexkursion gleich doppeltes Glück: Erstens hatten wir Viertklässler mit unserer Primarlehrerin Frau Hanni Jost eine absolute Fachperson in Naturkunde und zweitens mit dem Primarschulhaus Linde – unseren schönen Wald direkt vor unseren Füssen. Wir mussten 10 Vogelstimmen und 10 Vögel aus unserer Umgebung er-kennen. Es klingt wie ein schlechter Witz, ist aber wahr: Unsere Primarlehrerin (damals bereits 63 Jahre alt) war in aller Herrgottsfrühe auf Vogelstimmenfang gegangen. Ausgerüstet mit einem oberprimitiven Kassettengerät (ohne Zählwerk), dazu ein separates Mikrofon. Es sei jedoch gesagt, dass die gute Tonqualität die Ausrüstung bei weitem übertraf. Immerhin spricht daraus der Wille, mit einfachen, aber genau definierten Mitteln aus der damaligen Technik ein Optimum herauszuholen. Dann kam der “Tag” (die Nacht) zur Exkursion: Wir trafen uns kurz vor 4 Uhr beim Schulhauspavillon. Ziel unserer kleinen Nachtwanderung war das Reservoir Krähenberg, der höchste Punkt im Längholz. Ich sah vor mir das Wasserreservoir im Mondschein, mit seinem Schattenwurf. Davor ein Brunnen, geschmückt mit zahlreichen Krähen. Ich hatte solche Angst, alles war irgendwie unheimlich. Und jetzt soll ich auch noch Vogelstimmen erkennen, dachte ich mir… Apropos Brunnen: Es war das erste und zugleich letzte Mal, wo ich diesen schönen Brunnen im Mondschein so sauber gesehen habe. Damals gab es nicht nur keine Handys, sondern auch keine „Graffiti“-Sprayer (zumindest noch keine beim Wasserreservoir). Alles, was ich zur Vogelexkursion noch sagen kann ist, dass ich meine zwei Topfavoriten Nachtigall und Zilpzalp problemlos erkannt habe…

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