11. August 2020

Lehrmittelfreiheit: Vorstoss im Bernischen Grossen Rat eingereicht

Keine 24 Stunden nach dem Abstimmungsresultat reichte Michael Ritter, Grossrat der GLP, eine Motion ein und beantragte Dringlichkeit. Flankierend dazu reichte er auch eine Interpellation ein. Der Condorcet-Blog schaltet sie auf.

Lehrmittelfreiheit auch im Kanton Bern? Heute wurde eine Motion eingereicht
MIchael Ritter, Grossrat, GLP, Burgdorf

Während der LehrerInnenverband des Kanton Basellands aktiv hinter dem Volksbegehren gestanden ist, zögern die Verantwortlichen bei Bildung Bern noch mit einer Unterstützung. Sie setzen auf die Überarbeitung.

Michael Ritter (GLP) reichte nun – unterstützt von zahlreichen Lehrkräften – eine Motion ein, die Ähnliches verlangt, was die Baselbieter gestern mit 85% der Stimmen angenommen haben.

Hier ihr Wortlaut:

Titel: Geordneter Ausstieg aus dem «Sprachbad»

 

Antrag:

Der Regierungsrat wird beauftragt:

1.    den Kanton Bern geordnet aus dem Verbund «Passepartout» bzw. seiner Nachfolgeorganisation  «Nordwestschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz» herauszuführen;

2.    mittelfristig ein oder mehrere Französischlehrmittel aus dem freien Lehrmittelmarkt als Nachfolger von «Mille feuilles» und «Clin d’Oeil» zu evaluieren und einzuführen, ggf. nur im Sinne einer Auswahl-Empfehlung;

3.    im Lehrplan Französisch der Volksschule zu verankern, dass die vier Fertigkeiten Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen ausgewogen gefördert werden;

4.     im Lehrplan Französisch der Volksschule zu verankern, dass der schrittweise Aufbau von Grammatik, Wortschatz und Orthographie ein Unterrichtsziel ist;

5.     festzulegen dass an den oberen Klassen das Französischlehrmittelfrei gewählt werden kann, ev. nur begrenzt aus einer vorgegeben Auswahl von Lehrmitteln.

 

Kurze Begründung:

 

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung des Erfolgs der «Passepartout»-Lehrmittel sind unbefriedigend bis desolat (siehe etwa jüngst http://www.institut-mehrsprachigkeit.ch/de/file/787/download?token=KA08sKD3). Es besteht dringender Handlungsbedarf. Ein neuer Versuch das bereits bis jetzt unfassbar teure Lehrmittel «Mille feuilles» zu retten ist nicht zielführend. Die schwierige Situation kann am besten durch einen geordneten und durchdachten Rückzug von der Idee des «Sprachbads» verbessert werden, wozu die Motion die entsprechenden Forderungen aufstellt.

Die Motion wurde überraschend breit von Parlamentariern der FDP, SVP, CVP und EVP unterstützt.

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Hans Joss, Bern, ist ehemaliger Sekundarlehrer, studierte Psychologie und war jahrelang wissenschaflticher Leiter „Langzeitfortbildungen bei der Zentralstelle für Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung des Kantons Bern“ Er war Präsident des Vereins „Lesen und Schreiben“ und ist ein versierter Kenner des finnischen Schulsystems. Immer wieder besucht er dieses Land und leitet auch Reisegruppen ins Herz des finnischen PISA-Wunderlands. Mit Hingabe kämpft er gegen den Illetrismus in der Schweiz, den er als eigentlichen Skandal bezeichnet. Hans Joss ist eingeschriebenes Mitglied der Berner SP.
In seinem Beitrag seziert er das Papier des Verbands der schweizerischen Volkshochschulen zum Thema „Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen Erwachsener“ Das Papier ist am 30. März 2019 veröffentlicht worden. Hans Joss zeigt uns auf, warum der Kampf gegen den Illetrismus in der Schweiz nicht vorwärtskommt.

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