30. Oktober 2020

Kein Hauch von Selbstreflexion

Der Sekundarlehrer Felix Hoffmann aus dem Kanton Baselland bemängelt nach der Lektüre von Frau Le Pape Racines Leserbrief in der NZZ die völlige Absenz von Selbstkritik.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer, BL: Bildungsbürokraten wehren sich bis zuletzt.

Le Pape Racine bestätigt die Kritik des an die Bildungsdirektionen der sechs Passepartout-Kantone adressierten offenen Briefs. Auch sie appelliert einmal mehr an die Geduld. Doch eine Didaktik, deren Lehrmittel seit bald zehn Jahren im Einsatz sind und – wissenschaftlich mehrmals nachgewiesen – ungenügende Fremdsprachenkenntnisse vermitteln, hat den Anspruch auf mehr Zeit endgültig verspielt aus Rücksicht auf die Lernenden.

Wer unfehlbar ist, hat sich eben nichts vorzuwerfen.

Ansonsten repräsentiert Le Pape Racine den für die Passepartout-VerfechterInnen typischen Umgang mit Kritik. Sowohl deren Überbringer als auch die Kritiker selbst werden angegriffen und schlechtgeredet. Nie ist auch nur ein Hauch von Selbstreflexion vernehmbar. Für das Versagen von Passepartout verantwortlich sind nicht die Lehrmittel noch die zugrunde gelegte Didaktik. Schuld sind immer nur die andern. Der unbeirrbare Anspruch auf Unfehlbarkeit im Verbund mit der strikten Separation zwischen “wir” und “die andern” erinnert an religiöse Sekten und Ideologien. Wer unfehlbar ist, hat sich eben nichts vorzuwerfen. Nomen est Omen.

Felix Hoffmann, Sekundarlehrer, Kt. Baselland

 

Verwandte Artikel

Unkenntnis über Finanzfragen erhöht die Ungleichheit in der Gesellschaft

Gestern die Buchpräsentation “Das normale Kind”, in der es um die Folgen neoliberaler Bildungspolitik geht, heute der Artikel von Hans Rentsch, einem bekennenden Liberalen, der PISA nicht ablehnt und fordert, dass sich unsere Lehrpläne auch mit der Bedeutung des Geldes auseinandersetzen müssen. Der Artikel von Hans Rentsch, da ist sich die Redaktion sicher, wird Widerspruch auslösen. Umso wichtiger ist seine Publikation.

Pfenningers Sargnagel für unausgegorene Frühfremdsprachen-Konzepte

Gemäss Raphael Berthele von der Uni Fribourg handelt es sich bei der Untersuchung von Simone Pfenninger und David Singleton um eine «ausgeglichene und einfühlsame Studie», die sich mit einem Thema befasst, das uns alle interessiert. Pfenninger und Singleton präsentieren dabei neue Daten und analysieren diese sorgsam. Die Autoren untersuchen die Auswirkungen sowohl interner als auch externer Faktoren unter Anwendung modernster statistischer Modelle.
Die Studie ist die bisher einzige Schweizer Langzeitstudie, welche frühe mit späten Englisch-Startern vergleicht. Die Datenerhebungen erfolgten zwischen 2009 und 2015. Condorcet-Autor Urs Kalberer, der ebenfalls eine Studie über die Wirksamkeit von Frühenglisch durchführte, sieht sich bestätigt und stellt uns das Buch vor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.