Der Condorcet-Blog ist dem Philosophenpaar Sophie und Jean-Marie de Condorcet verpflichtet und seine Autorinnen und Autoren vertreten die Idee der Aufklärung. Deswegen haben wir immer wieder philosophische Beiträge in diesem Blog veröffentlicht. Der nun folgende Beitrag steht schon seit längerer Zeit in unserer «Pipeline». Es ist eine differenzierte Auseinandersetzung um die Diskursanalyse von Michel Foucault. Michel Foucaults Werk, und das macht seine Causa für uns interessant, ist von einer aufklärungskritischen Haltung geprägt. Die plötzlich aufgekommene Debatte um den angeblichen sexuellen Missbrauch von Jugendlichen hat uns dazu bewogen, mit der Veröffentlichung des Beitrags der Zürcher Professorin für forensische Psychologie, Henriette Haas, zuzuwarten. Wir wollten nicht in den Verdacht geraten, uns auch noch an diesem Integritätsdiskurs zu beteiligen. Inzwischen hat sich aber auch Eduard Käser in einem Beitrag («Riesen zur Schnecke machen – weite Teile der Cancel-Culture sind das Symptom einer intellektuellen Misere» 2. Mai 2021) gemeldet. Er plädiert für den «argumentativen Streit im Schlichten von Meinungsverschiedenheiten». Dies ist auch für uns eine Richtschnur. Der nun folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Geltung einer Aussage und nicht mit deren Urheber. Oder um es mit Eduard Käser auszudrücken: «Denken ist eine soziale Tätigkeit. Ein untrügliches Indiz des Denkens ist deshalb die Beobachtung, dass andere auch denken.» Henriette Haas schreibt zum ersten Mal für den Condorcet-Blog.
Lüdi schrieb 1997 folgende Zeilen: “Il revient aux systèmes éducatifs de promouvoir des compétences plurilingues différenciées, hétérogènes et changeantes en posant les fondements pour des approfondissements et de nouvelles acquisitions dans l’interaction une vie durant. Les
éléments clés d’une telle politique éducationnelle devraient être les suivants:
— commencer plus tôt, au plus tard au début de l’école primaire;
— ne pas viser un bi-linguisme, mais des répertoires pluri-lingues multiples;
renoncer au mythe de l’acquisition «parfaite» d’une langue seconde en faveur de l’élargissement continu d’un répertoire multiple dynamique: …”
Quelle: L’enfant bilingue: chance ou surcharge, Georges Lüdi, 1997, online greifbar.
Professor Lüdi war die massgebende Stimme bei der Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts in der Schweiz.