29. Oktober 2020

Schülerperspektive: Das Homeschooling hat für mich keine richtige Zukunft

Luna Lanz, Schülerin des OSZ-Orpund, freut sich, wieder den Normalunterricht zu besuchen. Die 14-jährige Klassensprecherin sagt aber auch, dass sie in dieser Zeit einiges gelernt hat.

Bis zu 5 Seiten Wochenplan
Luna, Realschülerin, besucht die 8. Klasse des OSZ-Orpund. Sie ist Klassensprecherin.

Seit sechs Wochen werden wir von einer Plattform aus unterrichtet. Oft mit fast den gleichen Aufträgen. Wir und auch die Lehrkräfte müssen immer alles gut einteilen sowie auch den Überblick über alles behalten. Unser Wochenpläne enthalten bis zu 5 Seiten voller Aufgaben.

In dieser Zeit gab es gute sowie auch schlechte Seiten. Eine gute davon ist sicher, dass ich gelernt habe, mir die Dinge besser einzuteilen, einen guten Arbeitsplatz einzurichten sowie auch mehr Ordnung zu haben. Ich habe gelernt, zu Hause effizient zu arbeiten.

Was mir aber vor allem durch diese Zeit klarer wurde, ist, dass wir wirklich dankbar dafür sein können, in die Schule zu gehen. Viele Kinder auf dieser Welt können leider so etwas Schönes wie die Schulzeit nie durchleben. Schon nach wenigen Wochen ohne die Schule fehlte mir persönlich etwas. Ich merkte, dass ich durch den Fernunterricht weniger gelernt habe als sonst im Unterricht. Wie schon am Anfang erwähnt, schreiben wir oft auch dieselben Aufträge mit einfach anderen Fragen und fokussieren uns nur auf ein Thema. Es ist alles so monoton, alles so ähnlich, alles vor dem Bildschirm. Vielleicht habe ich Glück mit meiner Schule, aber genau hier ist der grosse Unterschied.

Mehr Gruppenarbeiten und Projekte.

Unsere Lehrer kennen viele Möglichkeiten, uns den Stoff “rüberzubringen”, geben vielseitige Aufträge. Deshalb hat für mich dieses “Homeschooling” keine wirkliche Zukunft. Auch Gruppenarbeiten kann man nicht gleich ausführen, obwohl die Möglichkeiten mit Zoom und den verschiedenen Räumen ja bestehen und wir diese auch nutzen. Aber hier fehlte etwas, und das ist ja das Wichtige im Leben: mit Menschen zu kommunizieren, sich gut mit anderen zu verstehen. Doch durch das ständige zu Hause Lernen verlor ich meine Sozialkompetenz. Deshalb freue ich mich sehr, wieder in die Schule zu gehen. Ich gehe also mit Freude und Glücksgefühlen zurück in das normale Leben.

Endlich wieder an meinem Pult zu sitzen, wieder Sport in der Schule zu haben, endlich die Chemieexperimente durchführen und die wechselnden Launen meines Klassenlehrers zu ertragen.

Endlich wieder an meinem Pult zu sitzen, wieder Sport in der Schule zu haben, endlich die Chemieexperimente durchführen und die wechselnden Launen meines Klassenlehrers zu ertragen. Ja, das alles vermisste ich in der Coronaphase sehr. Und genau hier könnte die Schule etwas mitnehmen. Noch mehr Teamarbeit, noch mehr Gruppenarbeiten, noch mehr Projekte, das wünsche ich mir für mein letztes Schuljahr.

Luna Lanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare

  1. Liebe Luna, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du dich wieder auf die Schule freust. Das, was du in deinem Bericht beschreibst, immer ähnliche Aufträge, 5 Seiten lang jede Woche, alles vor dem Bildschirm, tönt tatsächlich unglaublich langweilig. Zum Glück ist das, was du erlebt hast ja auch kein Homeschooling, sondern langweilig organisierter Fernunterricht. Wahres Homeschooling ist nämlich spannend, kurzweilig, interessant, sehr abwechslungsreich und überaus sozial! Auch für uns, Langzeit-Homeschooler, bedeutet diese Corona-Krise eine Herausforderung, da auch wir unsere vielen sozialen Kontäkte und alle unsere tollen Exkursionen vermissen. Wir hoffen, dass auch wir bald wieder zur Normalität zurück kehren dürfen! Aber dir wünsche ich auf jeden Fall einen guten Start in der Schule, trotz allen Regeln und Schutzmassnahmen!

  2. Oje, das tut mir wirklich leid, ich kenne aber Schüler, deren Lehrer super und spannende Lernangebote hatten.
    Wichtig ist, Lehrer sind nun mal nicht für das Homeschooling (das richtige Homeschooling, kein Pflichfernlernen) ausgebildet, das braucht Zeit, da hineinzuwachsen.
    Und ich kann dir sagen, mein Kind (Homeschooler seit 6 Jahren) hat in der Coronazeit auch eine Krise, denn die Freunde, der Sport fehlen doch sehr.
    Homeschooling ist dann toll, wenn Eltern (nicht Lehrer) und Schüler das gemeinsam wollen.
    Ich wünsche dir einen tollen Start am Montag.

  3. Wir Schweizer haben einen Hang und eine Vorliebe, Anglizismen zu benützen, von denen wenige wissen, Woher sie stammen und was sie bedeuten. Dass allen voran die Medien, danach die Bürokraten zusammen mit der Lehrerschaft den Begriff ‘Homeschooling’ verwenden, ob für Schule in Coronazeit oder ob für elterngeleitete Bildung ist doch kennzeichnend. Ja selbst die ursprünglichen Familien, die den Kindern Besseres bieten als staatlich beglaubigte Lehrpläne, sind weitgehend darauf versessen, das, was sie als Familien lernen unter Verwendung des Begriffs ‘homeschooling’ in dem Bereich von Schulunterricht zu Hause anzusiedeln. ‘Homeschooling’ ist ein amerikanischer Allerweltsbegriff, der alles umfasst was zwischen Fernunterricht und Entschulung (=unschooling) liegt. Somit verkommt vieles unter dem Begriff ‘homeschooling’ zu unklarem Geschwafel. Dass Luna den Begriff ‘homeschooling’ nachspricht, ist sicher verzeihlich. Schliesslich sehnt sie sich ja doch nach dem von ihr idealen Lernort zurück, wo sie alles, von Wissens- und Kompetenzexperten vorgekaut, übernehmen kann, was sie zum Leben braucht. Bildung (zu Hause) oder elterngeleitete Erziehung (=home education) liegt in der Regel meilenweit weg von “homeschooling”. Das muss man erfahren haben und ist weder in der Schule noch durch Fernunterricht lernbar.

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