6. Oktober 2026

Der Mensch ist kein “homo oeconomicus” – eine Replik

Matthias Burchardt, Geschäftsführer der GBW in Deutschland, Pädagoge und Publizist aus Köln, antwortet Hans Rentsch auf seinen gestrigen Text “Ökonomisierung – nur ein Schlagwort?”

Matthias Burchardt: “Die Analyse muss stimmen.”

Tatsächlich ist es hilfreich, dass der Autor unnötige Frontstellungen zwischen Schule und der „bösen Wirtschaft“ abbaut. Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungswesen sind gleichermaßen unter den Druck des neoliberalen Ökonomismus geraten. Hier ist Zusammenarbeit sicher wichtiger als Konfrontation. Dazu muss aber die Analyse stimmen. Der Artikel von Hans Rentsch ist seinerseits getragen von Voraussetzungen, die zu einer weiteren Erörterung einladen. Ökonomische Bildung ist tatsächlich ein Mangel, müsste aber auch die implizite Normativität der Disziplin modellkritisch abarbeiten, wie etwa Silja Graupe dies vorbildlich leistet. (https://www.fgw-nrw.de/fileadmin/user_upload/NOED-Studie-05-Graupe-A1-komplett-Web.pdf) Insbesondere die Differenz von Modell und Wirklichkeit ist dabei nachdrücklich zu betonen: Der Mensch kann als homo oeconomicus beschrieben werden, aber er ist kein homo oeconomicus. Schule kann als Quasi-Unternehmen betrachtet werden, aber sie ist ihrer Seinsweise und sozialen Aufgabe von kategorisch anderer Art. Kategorienfehler führen zu blinden Flecken und verzerrten Beschreibungen. Ich schlage deshalb eine Differenzierung zwischen der zu Recht kritisierten Ökonomisierungsformel und der m. E. interessanteren Ökonomismusthese vor.

Ich verwende diese Begriffe für pseudoökonomische Maßnahmen (Change, Kennziffernsteuerung, Zielereinbarungen, Qualitätsmanagement, Outputorientierung), die letztlich unökonomisch, aber als Macht- und Steuerungsinstrumente fungieren.

Ich verwende diese Begriffe für pseudoökonomische Maßnahmen (Change, Kennziffernsteuerung, Zielereinbarungen, Qualitätsmanagement, Outputorientierung), die letztlich unökonomisch, aber als Macht- und Steuerungsinstrumente fungieren. Diese Ansätze schaden der Demokratie, der Kultur und eben auch de Wirtschaft. Die Reformen der letzte Jahre haben Köder in verschiedene Milieus ausgeworfen: Den Linken wird soziale Emanzipation versprochen, den Konservativen Leistung, der Wirtschaft ökonomische Verwertbarkeit und die Grünen werden zu ökologischen Ansätzen ( Selbstregulation im Biotop der Lernumgebung) überredet. Letztlich aber geht es um etwas ganz anderes: kulturelle Tranformation, ökonomische Schwächung von Industrieländern und die Sicherung der Elitenherrschaft. Glücklicherweise haben das Handwerk und die mittelständischen Unternehmen längst verstanden, dass eine ökonomistisch ungebaute Schule weder Persönlichkeitsbildung noch eine taugliche Berufsbefähigung ermöglicht. Also: Kommen wir doch endlich ins Gespräch und befreien uns gemeinsam von den Einflüsterungen der Bildungstechnokraten der OECD.

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